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Marokko / November 2025

Günther´s Abschiedstour
(Eckhard´s 60er Tour)

Heuer haben wir – Günther, Eckhard und ich – uns etwas Besonderes vorgenommen: eine letzte große, gemeinsame Motorradtour. Ein Ziel, das weit genug weg ist, um Abenteuer zu versprechen, und zugleich nah genug, um es auf zwei Rädern wirklich zu erleben. Unsere Wahl fiel auf Marokko – ein Land voller Farben, Düfte und Kontraste, das seit Langem in unseren Köpfen herumspukte.

Gebucht hatten wir über den Motorrad-Reiseanbieter Feelgood Reisen die geführte Tour „Berge und Oasen – die Berbertour“. Und gleich vorweg: Der Name hält, was er verspricht.

Weil alles organisiert war, konnte ich mich diesmal komplett zurücklehnen. Kein Routenplanen, keine Hotelsuche, kein Stress – eine Tour, die schon vor dem ersten Kilometer angenehm entschleunigt begann. Der größte Anteil daran ging an unseren Guide Reindert Dirksen (Rein), der mit seiner ruhigen Art, großem Wissen und unerschütterlicher Gelassenheit für eine perfekte Mischung aus Abenteuer und Sicherheit sorgte.

Zusammen mit Rein waren wir eine Gruppe von insgesamt elf Personen – ein bunter Haufen aus verschiedensten Charakteren, die eines einte: die Liebe zum Motorradfahren und die Lust auf das Unbekannte. Und was soll ich sagen? Genau diese Mischung machte die Reise so besonders. Dank dieser großartigen Truppe wurde die Tour nicht nur spannend, sondern auch unglaublich herzlich und humorvoll.

Was folgte, waren Tage voller staubiger Pisten, gewaltiger Bergketten, endloser Oasen, Begegnungen mit warmherzigen Menschen – und Momente, die sich tief einprägen.

Die Tour selbst hatten wir – wie bereits erwähnt – über Feelgood Reisen gebucht, doch damit war die Planung noch nicht ganz abgeschlossen. Für den Flug wollten wir es ebenso unkompliziert wie für die Tour selbst, also wandten wir uns an Herburger Reisen in Dornbirn. Von dort aus ging es für uns mit Edelweiss Air, einer Tochtergesellschaft der Swiss, direkt von Zürich nach Marrakesch.

Schon beim Einsteigen in die Maschine lag dieses Gefühl in der Luft, das man nur vor einer großen Reise hat: eine Mischung aus Vorfreude, Abenteuerlust und einer leisen Ungewissheit, was uns in den nächsten Tagen erwarten würde. Marrakesch – nur wenige Stunden entfernt, aber in unserer Vorstellung bereits eine völlig andere Welt.

Daten des 1. Tages (Samstag 01.11.2025)
Von Dornbirn nach Marrakech – Ankommen in einer anderen Welt

Der erste Tag unserer Marokko-Reise begann noch erstaunlich ruhig. Doris brachte uns – Günther, Eckhard und mich – mit dem Auto von Dornbirn nach Rorschach in der Schweiz. Dort stiegen wir in den Zug, der uns direkt, in 1 Stunde zum Flughafen Zürich brachte. Während wir über den Bodensee blickten und dem Zugrhythmus lauschten, kam langsam dieses Kribbeln auf: Jetzt wird’s ernst, das Abenteuer beginnt.

Unser Flug mit Edelweiss Air, einer Tochtergesellschaft der Swiss, hob pünktlich um 15:10 Uhr Richtung Süden ab. Drei Stunden und 30 Minuten später, um 18:40 Uhr, landeten wir in Marrakech – und sofort schlug uns diese warme, leicht würzige Luft entgegen, die so typisch für den Norden Afrikas ist. Man spürt sofort, dass man in einer völlig anderen Welt angekommen ist.

Schon im Terminal herrschte geschäftiges Treiben.
Direkt nach der Gepäckausgabe stehen drei Mobilfunk-Kioske, an denen man unkompliziert SIM-Karten kaufen kann. Rein schwört jedes Mal auf den Anbieter INWI. Gleich daneben – rechter Hand beim Ausgang – befinden sich mehrere Bankomaten.

Draußen wartete bereits unser Fahrer mit einem Taxitransfer, der uns durch das abendliche Verkehrsgewirr (hier bekommt man am Anfang so richtig Angst – die Fahren wie die Irren) von Marrakesch direkt zu unserer ersten Unterkunft brachte – dem Riad Palmier, einem traditionellen marokkanischen Stadthaus inmitten der Altstadt. Enge Gassen, alte Mauern, schwere Holztüren… und dann öffnet sich plötzlich ein Innenhof voller Ruhe. Ein kleines Paradies mitten im pulsierenden Herzen der Stadt.

Am Abend traf sich die gesamte Gruppe zum ersten gemeinsamen Essen. Eine bunte Mischung aus Charakteren, die uns die kommenden Tage begleiten würde: Georg (65 Jahre), Georg (66 Jahre),
Werner (65 Jahre), Stefanie & Axel (leider ungekannt), Gregor (77 Jahre), Marc (50 Jahre), Günther (69 Jahre), Eckhard (60 Jahre), natürlich unser Guide Rein (glaube, 63 Jahre)– und ich (58 Jahre). Ein lockeres, herzliches Kennenlernen bei gutem Essen und dem leisen Gefühl: Das hier könnte richtig gut werden.



Übernachtung:
Riad Palmier
22 Derb Berrima Touareg
40 000 Marrakech
Marokko
Tel.: +212 5 24 38 25 44 / +212 6 56 09 58 05
GPS 31.619414, -7.985532

Daten des 2. Tages (Sonntag 02.11.2025)
Marrakesch – Zwischen Geschichte, Gassen und Geschichten

Der zweite Tag begann angenehm gemütlich. Um 8:30 Uhr erwartete uns ein typisch marokkanisches Frühstück – frisches Fladenbrot, Butter, Honig, Oliven, dazu Grüntee und Kaffee. Die Sonne schien bereits in den Innenhof unseres Riads und hüllte alles in dieses warme, rötliche Licht, das Marrakesch so besonders macht.

Kurz darauf holte uns unser Stadtführer Ben ab – ein Mann, der sofort Eindruck hinterlässt. 75 Jahre alt, scharfer Blick, wacher Geist, und ein Charisma, das man nicht lernen kann. Schon nach den ersten Schritten durch die Gassen wurde klar: Ben kennt hier wirklich jeden.
Ein kurzer Gruß hier, eine herzliche Umarmung dort – und überall freundliche Gesichter, die ihn erkannten. Erst später verriet uns Ben den Grund: Ben spielte bereits mit 17 Jahren im marokkanischen Basketball-Nationalteam – und war damals eine echte Größe. Das erklärt seine Bekanntheit… und seine sportliche Kondition, mit der er uns locker, mit “Jalla ! Jalla!” und zügigien Schritten, durch die Altstadt führte.
Die Stadtführung dauerte von 10 – 13:45 Uhr.
Was uns speziell von Ben hängengeblieben ist, ist seine Aussage, dass die junge Generation leider wie bei uns in Europa “Stinkfaul” ist und das die Zukunft des Landes ist.

Während wir durch die verwinkelten Gassen zogen, erzählte er uns Wissenswertes über sein Land:

  • Marrakech: 1,1 Millionen Einwohner
  • Hauptstadt Rabat: 600.000 Einwohner
  • Größte Stadt Casablanca: 4,4 Millionen Einwohner

Unser Riad Palmier, in dem wir auch die zweite Nacht verbrachten, liegt im jüdischen Viertel – dem mit Abstand größten der drei historischen Viertel. Daneben gibt es noch ein französisches und ein marokkanisches Viertel.

Ben erklärte uns, dass jedes dieser Viertel wie eine kleine Stadt in der Stadt funktioniert:
eine Moschee, eine Koranschule, ein öffentlicher Brunnen, ein Backhaus mit Ofen und ein Hamam – die Grundpfeiler des täglichen Lebens.

Während wir durch die Souks schlenderten, erzählte Ben von der Geschichte der marokkanischen Gastarbeiter in Europa. Die ersten wurden von den Franzosen über Casablanca nach Marseille geholt. In Marakech errichtete man zunächst ein Spital: Wer gesund war, durfte weiterreisen. Wer angenommen wurde, landete später in Europa vor allem im Bergbau, im harten Kohleabbau.

In den engen, lebhaften Märkten rund um die Medina und Jemaa el Fna wurde früher alles komplett von Hand gefertigt – Leder, Metallarbeiten, Stoffe, Gewürze. Auch wenn heute leider vieles aus China kommt, findet man dennoch echte Handwerkskunst – besonders auf dem Frauenmarkt, den wir ebenfalls besuchten.

Ben führte uns durch ein Labyrinth aus Gerüchen, Stimmen und Farben, das man so nur einmal im Leben erlebt.

Ein Detail, das für uns Motorradreisende besonders überraschend war:
In der Altstadt gibt es keinen Alkohol – absolut keinen.
Erst in der Neustadt kann man welchen bekommen. Aber wir übernachteten – natürlich – mitten in der Altstadt. Was soll’s: Auch ohne Bier schmeckt die Tajine hervorragend.

Als wir am Nachmittag wieder im ruhigen Innenhof unseres Riads ankamen, war uns klar: Marrakesch ist nicht einfach eine Stadt – es ist ein Erlebnis, ein Gefühl, eine Geschichte, die man mit jedem Schritt ein Stückchen weiter entdeckt.
Am Abend gab es dann nach dem Abendessen noch ein Briefing, über den weiteren Verlauf unserer Reise.



Übernachtung:
Riad Palmier
22 Derb Berrima Touareg
40 000 Marrakesch
Marokko
Tel.: +212 5 24 38 25 44 / +212 6 56 09 58 05
GPS 31.619414, -7.985532

Daten des 3. Tages (Montag 03.11.2025)

Marrakech – Demnate
Tagesetappe: 161 Kilometer
Erste Ausfahrt – und gleich die erste Überraschung

Heute war es endlich so weit: die erste richtige Ausfahrt unserer Marokkotour. Die Stadt lag noch ruhig unter dem Morgenlicht, als wir von der Vermietstation die Motorräder übernahmen – jeder von uns (Günther, Eckhard und ich) bekam eine KTM 390 Adventure. Leicht, handlich, perfekt für Schotter und enge Bergstraßen. Genau das Richtige für den Anfang.

Gepäck brauchte niemand mitzuschleppen. Das wanderte nämlich ganz bequem in unser Begleitfahrzeug – ein Pick-up, der nicht nur unsere Taschen, sondern auch ein Reservermotorrad transportierte. Am Steuer: Yassine, unser Fahrer und gleichzeitig der Mann für alle technischen Notfälle. Ein Original.
Ich habe in meinem ganzen Leben noch niemanden gesehen, der so viel und so pausenlos telefoniert wie Yassine. Es wirkte fast, als hätte er eine eigene Direktleitung zum gesamten Land. Wir waren überzeugt: Der Mann muss einen Sondervertrag bei seinem Mobilfunkanbieter haben. Anders ist das nicht zu erklären.

Die Tagesstrecke betrug heute rund 160 Kilometer – überschaubar, aber perfekt, um reinzukommen. Und was für eine Strecke. Schon kurz nach Marrakech führte uns der Weg in die Berge des Hohen Atlas. Die Landschaft öffnete sich mit jedem Kilometer ein Stück mehr: ockerfarbene Felsen, grüne Terrassenfelder, einfache Lehmhäuser, kleine Bergdörfer, die wie an die Hänge geklebt wirkten.

Wir fuhren in eleganten Kurven durch die Höhenzüge, vorbei an Ziegenherden, durch schmale Schluchten und später entlang des schimmernden Stausees von Ait Adel, der ruhig in der Nachmittagssonne lag. Es war eine Mischung aus Gelassenheit und Abenteuer – genau das, was man sich von einer Marokko-Tour erwartet.
Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich unsere Unterkunft: eine traditionelle Kasbah nahe Demnate. Eine burgähnliche Anlage, die majestätisch auf einem Hügel thront – umgeben von Olivenhainen, leisen Windgeräuschen und dieser tiefen, warmen Stille, die nur alte Mauern ausstrahlen können.

Doch der Tag hatte noch einen letzten Lacher für uns parat.
Bereits auf den ersten Kilometern hatte ich – angeblich! – unsere KTM 390 „untauglich“ gemacht. Der Spitzname „Motorradzerstörer“ fiel schneller, als ich gucken konnte. Ob es nun ein Defekt, Pech oder einfach marokkanischer Humor war – das Ersatzmotorrad, eine KTM 790, stand jedenfalls plötzlich für mich bereit.
Na gut. Dann eben Upgrade. Schlechter getroffen hätte ich definitiv.

Ein großartiger erster Fahrtag – abwechslungsreich, landschaftlich beeindruckend und voller kleiner Geschichten, die eine Reise unvergesslich machen.



Übernachtung:
Kasbah Timdaf
BP 151
22 300 Demnate
Marokko
Tel.: +212 6 13 29 63 57
GPS 31.774097, -7.019710

Daten des 4. Tages (Dienstag 04.11.2025)
Tagestour in den hohen Atlas
Tagesetappe: 191 Kilometer

Der vierte Tag begann für mich bereits mit einem kleinen Triumphgefühl:
Ich startete heute direkt auf der KTM 790.
Das „Ersatzmotorrad“ vom Vortag hatte sich als absoluter Glücksgriff erwiesen – kräftig, stabil und genau das Richtige für die bevorstehenden Bergkilometer.

Um 9:30 Uhr rollten wir los. Die Temperatur war am Morgen noch angenehm, gerade richtig für die ersten Kurven. Wir wussten jedoch schon: Am Nachmittag würde es wieder einmal an die 30 Grad herangehen – typisch Atlas, typisch Marokko.

Unsere Strecke führte uns zunächst über eine wunderschöne, schmale Straße in Richtung Tanant. Diese Passage war wie gemacht für Genießer: sanfte Kurven, kleine Dörfer, grandiose Fernblicke über Täler, Felswände und Olivenhaine. Der Hohe Atlas präsentierte sich von seiner besten Seite – wild, ungezähmt und gleichzeitig unglaublich friedlich.

Der nächste Höhepunkt ließ nicht lange auf sich warten: die berühmten
Ouzoud-Wasserfälle, der zweithöchste Wasserfall Afrikas mit 110 Metern Fallhöhe.
(Als Randnotiz: Der höchste des Kontinents ist der Tugela-Wasserfall in Lesotho mit beeindruckenden 948 Metern, verteilt auf mehrere Stufen.)

Bevor wir uns aber an den Abstieg machten, kehrten wir bei „Chez Rachid“ ein – einem kleinen, unscheinbaren Lokal, das uns mit köstlichem Essen überraschte. Gestärkt machten wir uns anschließend auf den Weg hinunter. Der Abstieg führt über zahlreiche Stufen – ein kleines Workout –, doch jeder Meter lohnt sich. Unten angekommen türmt sich der Wasserfall vor einem auf, ein Schauspiel aus sprühendem Wasser, Regenbogennebel und vibrierender Natur.

Nach einer Weile ging es wieder zurück – zunächst zur Hauptstraße 304, dann über eine kleine, versteckte Nebenstraße zurück zu unserer Kasbah. Die Sonne brannte mittlerweile ordentlich, doch der Fahrtwind machte alles erträglich. Und diese Mischung aus Sonne, Staub und Landschaft – sie hat etwas, das man einfach nicht mehr vergisst.

Den Abend verbrachten wir draußen, unter dem tiefroten marokkanischen Himmel.
Es war einer dieser warm-glühenden Abende, an denen die Luft selbst zu ruhen scheint und man spürt, wie gut es tut, am Ende eines erfüllten Tages einfach nur dazusitzen – mit guten Leuten, einem kühlen Getränk (oder auch ohne) und vielen Eindrücken, die noch nachhallen.

Übernachtung:
Kasbah Timdaf
BP 151
22 300 Demnate
Marokko
Tel.: +212 6 13 29 63 57
GPS 31.774097, -7.019710

Daten des 5. Tages (Mittwoch 05.11.2025)
Demante – Skoura
Tagesetappe: 153 Kilometer

Über den Tizi-n-Outfi: Straßen wie Rennstrecken und eine Oase wie aus einem Märchen

Der Tag begann ruhig und entspannt: Frühstück um 8:30 Uhr, Abfahrt um 9:30 Uhr. Die Sonne war bereits angenehm warm, aber noch weit entfernt von der späteren Nachmittagshitze. Heute wartete eine Etappe auf uns, die fahrerisch und landschaftlich zu den eindrucksvollsten der gesamten Reise zählen sollte.
Unser erster Stopp war die Naturbrücke von Imi n’Ifri, ein gewaltiger Felsbogen, der wie ein Tor in eine andere Welt wirkt. Dort gönnten wir uns einen Kaffee, während wir durch das natürliche Felsgewölbe nach unten blickten – ein wunderbarer Start in den Tag.

Schon beim Weiterfahren fiel uns eines auf: Es gab so gut wie keinen Verkehr.
Ein Traum für Motorradfahrer – freie Bahn, klare Sicht, nichts als Landschaft und Kurven.

Dann kam das Highlight des Tages: die Auffahrt zum
Tizi-n-Outfi-Pass auf über 2200 Meter Höhe.
Eine Passstraße, die anmutete, als hätte man sie direkt aus einer Rennstrecke kopiert – perfekt ausgebaute Asphaltstreifen, langgezogene Kurven, weite Radien und ein Panorama, das einem schlicht den Atem nimmt. Hier oben zeigte sich der Hohe Atlas von seiner wildesten und gleichzeitig elegantesten Seite.

Zwar gab es unterwegs noch einige Baustellen – typisch Marokko –, aber sie konnten den Gesamteindruck kaum trüben. Im Gegenteil: Es fühlte sich an, als wären wir die einzigen Menschen, die heute über diese Strecke unterwegs waren.

Mittagspause machten wir in einer kleinen Herberge in Toufghine – ein Ort, der so abgeschieden liegt, dass man ihn wirklich als „absolutes Nichts“ bezeichnen kann. Stille, Berge, Wind – und sonst gar nichts. Genau dieser Kontrast macht das Reisen in Marokko so besonders.

Nach der Pause wurde die Strecke deutlich rauer. Die erste Passage ließ sich mit einem Satz perfekt beschreiben:
13 Kilometer neu – und kaputt.
Unfassbar, wie schnell frischer Asphalt in dieser Region wieder seinem rauen Umfeld erliegt.

Danach folgte die ursprüngliche Route: eine schmale, kurvenreiche, stellenweise ebenfalls kaputte Straße, die sich rauf und runter windet, als hätte jemand sie im Zickzack auf den Berg gemalt. Genau diese Art von Straße liebt man entweder – oder man verflucht sie. Wir liebten sie.

Und wieder: Freie Fahrt.
Auf 29 Kilometern begegneten wir nur einem Auto und einem einzigen LKW. Marokko schenkt einem manchmal diese unvergesslichen Momente völliger Einsamkeit.

Die letzten 6 Kilometer bis zu unserer Unterkunft, dem Chez Talout am Wadi Hajaj, führten über eine steinige Piste. Aber genau solche Stücke gehören zu dieser Reise einfach dazu.

Um 16:00 Uhr erreichten wir schließlich die Unterkunft – warmes Licht, ruhige Lage, beeindruckende Stille. Am Nachmittag machten wir noch einen Spaziergang in die Oase, hinein zum Wadi Hajaj. Es ist faszinierend, wie so eine Oase funktioniert: ein grünes, lebendiges Band mitten in einer kargen Umgebung, gespeist von Wasserläufen, von Hand angelegten Kanälen und jahrhundertealten Bewässerungssystemen.

Ein Tag voller Kontraste: glatt wie eine Rennstrecke, rau wie eine Gebirgspiste, einsam wie ein Wüstenplateau – und am Ende ein Stück Paradies inmitten staubiger Berge.

Übernachtung:
Chez Talout
Oulad Aarbiya
45000 Skoura
Marokko
Tel.: +212 6 68 24 76 74
GPS 31.042225, -6.603724

Daten des 6. Tages (Donnerstag 06.11.2025)
Skoura nach Tinghir
Tagesetappe: 218 Kilometer

Kasbahs, Serpentinen und ein Höhlenzimmer, das man nie vergisst
Heute stand eine der abwechslungsreichsten Etappen unserer gesamten Marokkoreise auf dem Programm. Viel zu sehen, viel zu fahren, viel zu staunen – also ging es schon früh los: Frühstück um 7:30 Uhr, Abfahrt um 8:45 Uhr. Die Luft war noch frisch, der Himmel klar, und wir wussten: Heute wird ein langer Tag.

Kasbah Amridil – Reise in die Vergangenheit

Unser erster Halt führte uns über eine kleine Piste und durch ein ausgetrocknetes Wadi zur berühmten
Kasbah Amridil, einer der am besten erhaltenen Lehmburgen Marokkos.

Hier lernten wir den Unterschied, den man leicht verwechselt:
Eine Kasbah ist ein befestigtes Wohnhaus
Ein Ksar ist ein ganzes befestigtes Dorf, umgeben von einer Stadtmauer

Die Kasbah wirkte wie eine Filmkulisse (und tatsächlich war es eine Filmkulisse für z.b. den Film “Hanna”) – dicke Mauern aus Lehm, kunstvolle Türrahmen, enge Innenhöfe, kleine Fenster, die Geschichten aus längst vergangenen Jahrhunderten erzählen.

Dades-Tal – Die Straße der Legenden
Nach der Besichtigung ging es zurück auf die N10, ehe wir in das spektakuläre Dades-Tal einbogen.
Die nächsten 29 Kilometer sind unter Motorradfahrern weltberühmt.
Grund: die sensationellen Spitzkehren, die auf nahezu jeder Marokkokarte als Postkartenmotiv abgebildet sind.
Und ja – sie sind noch beeindruckender, wenn man sie selbst fährt.

Geschwungene Kurven, schroffe Felswände, ein atemberaubendes Tal und die Straße, die sich wie ein graues Band nach oben schraubt. Oben auf knapp 1800 Metern Höhe legten wir eine kleine Pause ein, stärkten uns und genossen die Aussicht, bevor wir wieder zurückrollten – ein Abstieg voller Weitblicke und Fahrspaß.

Tinghir – Bier, Schlucht und ein besonderer Schlafplatz
In der Provinzhauptstadt Tinghir war es dann endlich so weit:
Bei „Chez Michell“ konnten wir tatsächlich BIER kaufen – ein kleiner Triumph, nachdem wir in der Altstadt von Marrakesch komplett darauf verzichten mussten.

Danach fuhren wir weiter in die bekannte Todraschlucht (Todgha Gorge). Die steilen Felswände ragen hier bis zu 300 Meter hoch, so eng beieinander, dass der Himmel wie durch einen Spalt wirkt. Die Straße führt mitten hindurch – ein grandioses Naturerlebnis.

Von dort war es nicht mehr weit zu unserer nächsten Unterkunft. Und dort erwartete mich etwas ganz Besonderes:
Mein „Höhlenzimmer“
Ich bekam ein sensationelles Höhlenzimmer – in Fels geschlagen, kühl, rustikal, absolut einzigartig. Ein Raum, der sich anfühlte wie ein Rückzugsort aus einem Abenteuerfilm.

Der Abend klang wunderbar aus:
Wir aßen richtig lecker, spezialitätenreich und typisch berberisch. Danach wurde musiziert – und wie sich herausstellte, sind Rein und Yassine wahre Meister auf der Trommel. Der Rhythmus verlieh dem Abend eine fast magische Stimmung.

Ein langer Tag, ein erlebnisreicher Tag.

Übernachtung:
Auberge Lew Festival
PB 236
Tinghir
Marokko
Tel.: +212 6 73 45 43 07 / +212 6 61 26 72 51
GPS 31.621318, -5.561271

Daten des 7.Tages (Freitag 07.11.2025)
Tinghir – Erfoud
Tagesetappe: 234 Kilometer

Kälte, Kurven, Pannen und Wüstensand

Der Tag begann ungewohnt kühl (Ich war wohl der Einzige der über diese Temperatur erfreut war). Während wir beim Frühstück um 8:00 Uhr zusammensaßen, hing noch ein frischer Morgenhauch in der Luft. Um 9:15 Uhr starteten wir die Motoren – und schon nach wenigen Minuten wurde klar, dass dieser Tag eine besondere Mischung aus Bergen, Technik und Wüste bereithalten würde.

Kalt, kurvig, atemberaubend – die obere Todraschlucht
Unsere Route führte uns erneut durch die Todraschlucht, diesmal jedoch bergauf über schmale, wunderschöne Kurven, die sich eng an die Felswände schmiegten. Links und rechts ragte der Stein bis zu 200 Meter senkrecht nach oben – ein Naturkathedralen-Effekt, der einen fast ehrfürchtig fahren lässt.

Doch mit der Höhe kam auch die Kälte.
Oben zeigten die Thermometer gerade einmal 9 °C – ein spürbarer Kontrast zu den warmen Tagen zuvor. Die Luft war klar, die Straße leer, und genau das machte diese Passage zu einer echten Genussfahrt.

Auberge Amellago – Kaffee und eine kleine Überraschung
Nach etwa 100 Kilometern erreichten wir die Auberge Amellago und gönnten uns eine wärmende Kaffeepause.
Kaum zurück auf der Strecke, wartete eine neue Überraschung:
Eine Wasserdurchfahrt – Plötzliches Platschen, nasse Stiefel, viel Gelächter. Genau solche Momente bleiben in Erinnerung.
Die Straße blieb auch danach weiter schmal, kurvig und absolut einsam. Bis Kilometer 135 hatten wir kaum Verkehr gesehen – nur Landschaft, Asphalt und endlose Fahrfreude.

Panne im Nirgendwo – und der Motorradtausch
Doch dann passierte es:
Das Kupplungsseil der KTM 890 von Axel und Steffi riss. Ausgerechnet auf einer dieser einsamen Passagen.

Zum Glück war Yassine sofort zur Stelle.
Wir organisierten einen schnellen Motorradtausch:

  • Axel übernahm meine KTM 790
  • Ich wechselte zurück auf die defekte KTM 390

Na ja… „defekt“ war sie eigentlich immer noch – aber sie lief. Und Yassine, unser Telefonkönig und Notmechaniker, hat die KTM 890 am nächsten Tag wieder vollständig in Schuss gebracht.

Guelmima – Willkommen in der Wüste
Als wir später Guelmima erreichten, änderte sich die Landschaft abrupt. Der grüne Hauch der Oasen und die felsigen Berge verschwanden – plötzlich waren wir in der Wüste. Weite, Leere, Farbverläufe von Ocker bis Gold. Ein Ort, der sofort eine gewisse Stille in einem auslöst.

Unser Mittagessen nahmen wir im Café Touroug ein – einfache Küche, aber perfekt nach einem langen, kurvigen Vormittag. Von hier an war klar: Die Reise würde jetzt ein ganz anderes Gesicht zeigen. Keine Berge mehr – sondern Sand, Weite und der Beginn des großen Südens.

Ein Tag voller Gegensätze: eiskalte Schluchten, warme Wüstensonne, perfekte Kurven – und eine Panne.



Übernachtung: (super Hotel)
Hotel la Rose du Desert
PB 294
52 200 Erfoud
Marokko
Tel.: +212 5 35 57 65 83 / +212 6 57 28 51 51
GPS 31.455390, -4.223588

Daten des 8.Tages (Samstag 08.11.2025)
Erfoud – Merzouga
Tagesetappe: 139 Kilometer

Tagestour zu den Sanddünen
Kamele, Kurven und eine vergessene Mitfahrerin

Heute stand ein echtes Highlight auf dem Programm: die Bilderbuch-Sanddünen im Osten Marokkos bei Merzouga. Die Sonne brannte schon am frühen Morgen über Erfoud, als wir die Motorräder startklar machten. Dank Yassines Reparatur war die KTM 890 wieder fit, und ich konnte wieder auf meine Ersatzmaschine, die KTM 790, umsteigen – ein schönes Gefühl, wieder auf dem stärkeren Bike zu sitzen.

Vergessene Beifahrerin – Axel sorgt für Aufregung
Kaum hatten wir den ersten Tankstopp hinter uns gebracht (wir haben eben nicht getankt sondern sind gleich, ohne zu Tanken weitergefahren), passierte das Unglaubliche: Axel hat Steffi vergessen! Erst nach einigen hundert Metern bemerkte er, dass irgendetwas nicht stimmte. Ein kurzer Stopp, viel Gelächter, und alles war wieder in Ordnung – das wird wohl noch lange ein Running Gag bleiben.

Ksarruinen, Rissani und der Touristentrubel
Die Strecke führte uns vorbei an Ksarruinen und dem Ksar el Fida nach Rissani. Hier trafen wir auf den ersten echten Touristenauflauf: Mountainbiker, SUVs und allerlei Getümmel. Ein kurzer Kontrast nach den bisher so einsamen Fahrten, aber auch irgendwie charmant, das bunte Treiben zwischen Tradition und Abenteuer mitzuerleben.

Vor Merzouga (Touristen ohne Ende) machten wir einen Fotostopp vor der großen Düne (Erg Chebbi)– die goldenen Sandberge leuchteten in der Sonne, ein Bild, das man nicht mehr vergisst. Erg Chebbi ist Marokkos zweitgrößte Dünenlandschaft.
Merzouga – Erg Chebbi
Danach noch eine kleine Mittagspause direkt im Ort, bevor wir in unser Hotel zurückfuhren.

Pool & Krankheit – kleine Freuden, kleine Rückschläge
Der Nachmittag lud förmlich zu einem Sprung in den Pool ein – klar, der war eiskalt, aber nach den heißen Sandstrecken genau das Richtige.

Allerdings hatte das Wetter auch eine andere Seite: Axel hatte seit einigen Tagen eine aufkommende Grippe, und nun erwischte sie auch Steffi recht kräftig. Kleine Rückschläge, die aber die Stimmung nicht trüben konnten – zu aufregend war das Abenteuer, zu beeindruckend die Dünenlandschaft.

Ein Tag voller Sand, Sonne, Spaß und kleinen Katastrophen – genau die Mischung, die eine Motorradtour durch Marokko so unvergesslich macht.

Übernachtung: (super Hotel)
Hotel la Rose du Desert
PB 294
52 200 Erfoud
Marokko
Tel.: +212 5 35 57 65 83 / +212 6 57 28 51 51
GPS 31.455390, -4.223588

Daten des 9.Tages (Sonntag 09.11.2025)
Erfoud – Zagora
Tagesetappe: 259 Kilometer

Gerade Strecken, James-Bond-Berg und Palmenoasen
Heute standen die meisten Kilometer unserer Tour auf dem Plan – doch die Strecke ließ sich überraschend flott bewältigen. Abfahrt um 9:30 Uhr bei angenehmer Temperatur. Die Motorräder rollten über gerade Straßen durch endlose Wüsten- und steinige Steppenlandschaften Richtung Süden nach Rissani.

Die Landschaft wirkte wie aus einem Film: karges Land, vereinzelte Palmen, vereinzelt kleine Siedlungen, nur wir auf der Straße – Freiheit pur.

Jebel Mdouar – der runde Berg und Hollywood-Feeling
Unser erster Zwischenstopp führte uns zum „Jebel Mdouar“, dem „Runden Berg“. Hier erwartete uns ein atemberaubender Aussichtspunkt über die karge Wüstenlandschaft – der perfekte Platz für Fotos und kurze Verschnaufpausen.

Doch die Anfahrt dorthin hatte es in sich: einige Kilometer reine Piste, Sand und, Staub – Fahrspaß pur. Ein Highlight für jeden Motorradfahrer!
Ein weiteres Special: ein Teilstück hier wurde für den James-Bond-Film „Spectre“ gedreht. Kein Wunder – die Landschaft wirkt wie geschaffen für dramatische Actionszenen.

Freie Fahrt nach Alnif
Nach dem Berg folgte ein längeres Stück freie Fahrt über 80 Kilometer – kaum Verkehr, nur wir, unsere Bikes und die endlose Weite der Wüste. Treffpunkt war dann Alnif, wo wir uns kurz sammelten, bevor es weiter zu unserer Unterkunft ging.

Zagora – Palmen, Riad und das beste Essen der Reise
Um 15:15 Uhr erreichten wir schließlich Zagora und unser nächstes Riad, wieder mitten in den Palmengärten gelegen. Die Ruhe, das Grün und die historische Architektur boten den perfekten Kontrast zu den endlosen Wüstenkilometern.

Und das Essen? Mit Abstand das beste der ganzen Tour. Fantastische Tajines, frisch zubereitet, Gewürze, die einem noch lange in Erinnerung bleiben. Selbst nach neun Tagen Marokko – kulinarisch ein Höhepunkt.
Ein weiterer Abend voller Gespräche, Gelächter und dem Genuss, die Erlebnisse des Tages Revue passieren zu lassen. Die Wüste hat ihre eigene Magie, und Zagora war der perfekte Ort, um diese noch einmal in Ruhe zu spüren.

Übernachtung:
Riad Lamane
Riad Lamane Amezro
49 000 Zagora
Marokko
Tel.: +212 6 61 45 64 40
GPS 30.315468, -5.831324

Daten des 10.Tages (Montag 10.11.2025)
Zagora – Ait Ben Haddou – Tamdaght
Tagesetappe: 212 Kilometer

Daten des 11.Tages (Dienstag 11.11.2025)
Tamdaght / Quarzazate – Marrakech
Tagesetappe: 175 Kilometer

Der letzte Fahrtag – Karawanenwege, Hochgebirgspass und das Chaos von Marrakesch
Es war so weit – unser letzter Fahrtag stand bevor. Ein Gefühl zwischen Wehmut und Vorfreude, denn noch einmal warteten beeindruckende Straßen, gewaltige Landschaften und der ein oder andere adrenalintreibende Moment auf uns.
Start war um 9:00 Uhr, die Luft war bereits warm, aber noch angenehm – perfektes Motorradwetter.

Auf der alten Karawanenstraße nach MarrakeschDer erste Streckenabschnitt führte uns über die Route via
Telouet, ein Stück auf der alten Karawanen-Hauptstraße nach Marrakesch. Eine geschichtsträchtige, schmale Straße ohne jeglichen Verkehr – nur wir, unsere Motorräder und die Stille des Atlasgebirges.

Die Ausblicke waren grandios: Täler, Berghänge, kleine Lehmsiedlungen – eine Szenerie, die sich seit Jahrhunderten kaum verändert hat.

Ein kurzer Abstecher brachte uns zu einer alten Salzmine, die verlassen und windgegerbt am Berghang klebte – ein stilles Relikt aus früheren Zeiten – tatsächlich gesehen hat die Mine nur Marc.

Der Tizi-n-Tichka – Hoch hinaus
Weiter ging es auf die N9, die in großzügigen Kurven hinauf zum berühmten Tizi-n-Tichka-Pass führte – 2.260 Meter hoch, einer der wichtigsten Übergänge über den Hohen Atlas.
Oben legten wir einen Stopp ein und machten ein Gruppenfoto, begleitet vom Wind und dem Geruch nach heißem Motoröl – ein Moment, der die ganze Tour perfekt einfing: Gemeinschaft, Abenteuer und das Gefühl von Freiheit.

Flotte Fahrt – bis das Chaos beginnt
Anschließend folgte eine 55 Kilometer lange freie Fahrt bis zu einem Café, das wir bereits vom Beginn unserer Reise kannten – ganz in der Nähe des neuen Staudamms. Hier gab es noch einmal die Gelegenheit, die Bikes über die breiten Kurven rollen zu lassen und den Flow zu genießen.

Von dort waren es noch 48 Kilometer bis zur Vermietstation – allerdings wartete der schwierigste Teil erst jetzt: die Einfahrt nach Marrakesch.

Was uns begrüßte?
Verkehrsgewusel deluxe. Mopeds, Taxis, Busse, Karren, Fußgänger, Hupen, Drängeln – ein kontrolliertes Chaos, das man einfach erlebt haben muss – eigentlich macht es doch richtig Spaß, denn auch ohne wirklichen Regeln funktioniert es tadellos.
Und mitten drin unser Georg B., der sogar noch von einem Roller von hinten angeschubst wurde – der Fahrer fand ihn wohl zu langsam. Zum Glück ist nichts passiert, außer einem guten Lacher im Nachhinein.

Rückgabe, Hitze und Abschiedsbier
Um 14:30 Uhr kamen wir bei 36 Grad Celsius an der Vermietstation an. Die Abgabe lief überraschend reibungslos und flott, offenbar hab ich die KTM 790 nach meinen Einsätzen wieder im akzeptablen Zustand abgegeben.

Danach ging es mit Sammeltaxis direkt ins Hotel Le Caspien, wo wir am Abend unsere Reise gebührend ausklingen ließen.

Ein paar Abschiedsbierchen mussten natürlich sein – auch wenn sie mit 6 Euro für 0,5 Liter eindeutig zur Premiumkategorie zählten. Doch an diesem Abend war es egal: Wir feierten eine großartige Tour, tolle Menschen und unvergessliche Momente.



Übernachtung: (war ein super Hotel – sehr vornehm)
Riad Hotel Le Caspien
12 Rue Loubnane
40 000 Marrakech
Marokko
Tel.: +212 5 24 42 22 82/83
GPS 31.636348, -8.010366

Daten des 12.Tages (Mittwoch 12.11.2025)
Marrakech – Dornbirn

Heimreise – zwischen Turbulenzen, verlorenen Koffern und einem späten Chili
Am Morgen wurden wir direkt beim Hotel Le Caspien vom Transfer abgeholt – zwei Fahrzeuge, schnell beladen, Türen zu, los. Die Fahrt zum Flughafen Marrakech verlief überraschend ruhig, und schon kurze Zeit später standen wir im Hauptterminal, bereit für den Rückflug.
Nach dem Check-in hieß es Abschied nehmen.
Wundervolle Mitreisende, ein großartiger Guide und unzählige gemeinsame Erlebnisse – das macht den letzten Handschlag immer ein wenig schwer.

Doch wir hatten alle das Gleiche im Gepäck: einen Koffer voller großartiger Erinnerungen.

Turbulenzen, Umweg und kräftiger Gegenwind
Unser Heimflug hatte zunächst 40 Minuten Verspätung, was uns zu Beginn wenig störte – wir waren noch im entspannten Marokko-Modus. Doch dann ging es zuerst nach Agadir, bevor die Maschine Kurs Richtung Norden aufnahm.
Über den Hohen Atlas und später die Pyrenäen erwarteten uns dann kräftige Winde – und unsere A320 hat es ordentlich durchgeschüttelt. Getränkewagen: eingestellt. Gespräche: verstummt. Einige Gebete wurden wahrscheinlich leise ausgesprochen.

Dafür holte der Pilot die Verspätung mit Höchstgeschwindigkeit wieder auf. Manchmal ist eben auch ein holpriger Weg ein schneller Weg.

Koffer? Welche Koffer?
In Zürich lief zunächst alles reibungslos – bis es ums Gepäck ging.
Alle bekamen ihren Koffer. Wirklich alle.
Nur Marc und ich nicht.

Kurz dachten wir:
„Haben die vielleicht die Fossilien entdeckt…?“
Man weiß ja nie.

Doch die tatsächliche Ursache war weit weniger spektakulär:
Der Container mit unserem Gepäck klemmte fest und konnte nicht aus dem Flugzeug entladen werden. Ganze 40 Minuten standen wir da, bis das Problem endlich behoben war.
Bis dahin hatten wir schon drei Züge nach Rorschach verpasst.

Die letzten Kilometer – und ein würdiger Abschluss
Endlich im Zug ging es nach St. Gallen, dort umsteigen und weiter nach Rorschach, wo uns Doris wieder abholte – genauso wie vor über einer Woche, nur mit deutlich mehr Geschichten im Kopf und etwas mehr Staub in der Kleidung.

Um ca. 22:00 Uhr waren wir wieder in Dornbirn.
Dann noch ein feines Chili, ein letztes Bierchen, ein erschöpfter Blick zwischen Freunden – und schließlich müde, aber glücklich, ins Bett gefallen.

Kostenaufstellung

Auch wenn Marokko ein vergleichsweise günstiges Reiseland ist, kommt bei einer geführten Motorradtour natürlich dennoch etwas zusammen. Hier die wichtigsten Posten unserer Reise – alle Beträge pro Person:

  • Flug Zürich – Marrakech – Zürich:
    € 682,-
  • Geführte Tour „Berge & Oasen – Berbertour“ (Feelgood Reisen):
    € 3.883,-
  • Gemeinschaftskassa für Rein
    (Wasser, Benzin, Mittagessen, Eintritte, Parkgebühren, Trinkgelder usw.):
    € 200,-
  • Zugtickets Rorschach – Zürich – Rorschach:
    € 71,-
  • SIM-Karte + Schweizer Telefonpaket:
    (für mobiles Internet und Telefonie)
    inkludiert
  • Diverse Getränke & persönliche Ausgaben
    (z. B. die nicht näher bezifferten Biere am letzten Abend):
    variabel
    gefahrene Kilometer:
    1.742 Kilometer

Damit landen wir am Ende bei einem Gesamtbetrag von rund € 5.000,- pro Person.

Ein stolzer Betrag – aber jeder einzelne Euro war bestens investiert in ein Abenteuer, das wir wohl nie vergessen werden.

Resümee der gesamten Tour

Diese Reise war weit mehr als nur eine Motorradtour durch Marokko. Sie war ein intensives Eintauchen in ein Land voller Kontraste – zwischen schneebedeckten Gipfeln und glühenden Wüsten, zwischen lebhaften Souks und stillen Palmengärten, zwischen Einsamkeit auf endlosen Pisten und geselligem Lachen in den Riads.

Wir haben auf dieser Tour nicht nur atemberaubende Landschaften erlebt, sondern auch die Kraft von Kameradschaft gespürt. Elf Menschen, die sich zu Beginn kaum kannten, wurden zu einer harmonischen Gruppe, die Tag für Tag gemeinsam Herausforderungen meisterte: kurvige Bergpässe, wilde Winde, tiefe Schotterpisten, lange Tagesetappen und das eine oder andere Navigations-Abenteuer. Am Ende verband uns das Gefühl, zusammen etwas Großes geschafft zu haben.

Marokko hat uns mit seiner Gastfreundschaft, seinem Essen, seiner Farbenpracht und seiner Ursprünglichkeit tief beeindruckt. Die Berberkultur, die Ruhe der Wüste, die Herzlichkeit der Menschen und die unvergesslichen Begegnungen am Straßenrand werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.

Auch organisatorisch war die Tour hervorragend. Feelgood Reisen, aber speziell unser Guide Rein sorgten dafür, dass wir uns jederzeit sicher und gut betreut fühlten. Alles war bis ins Detail durchdacht – von den schönen Unterkünften über die Essensstopps bis zu den besonderen Erlebnissen abseits der üblichen Routen.

Und natürlich hinterlassen besonders die vielen kleinen Momente Spuren: das erste Grüntee-Treffen nach einem langen Fahrtag, der Sonnenaufgang über der Erg Chebbi, die Stille zwischen den Dünen, ein gemeinsam geteilter Witz, ein staubiges Motorrad vor einem Riad und der Blick am Abend, wenn einem bewusst wird, wie weit man heute gekommen ist.

Am Ende bleibt ein Gefühl tiefer Dankbarkeit.
Dankbarkeit für sichere Kilometer, für unvergessliche Erlebnisse, für großartige Mitreisende – und dafür, dass wir uns diesen Traum erfüllen konnten.

Marokko hat uns sicher in unserer Denkweise verändert.
Es hat uns entschleunigt, bereichert, staunen lassen uns
bewusst gemacht, was wir alles haben und trotzdem immer auf höchstem Niveau Jammern.
Und eines ist sicher:
Diese Reise war nicht die letzte – das nächste Mal dann direkt ab Dornbirn mit dem Motorrad

inshallah – “so Gott will” – إن شاء الله

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