• Menu
  • Menu

Passo del Vivione – Juni 2026

Daten des 1. Tages (Freitag 19.06.2026)
Dornbirn – Edolo
Abfahrt: 7:45 Uhr
Ankunft: 17:30 Uhr
Strecke: 405 Kilometer
Kilometerstand Anfang Tour: 2200
Kilometerstand Ende Tour: 2605
Durchschnittsverbrauch: 2,33 Liter / 100 Kilometer
Tanken: Euro 12.- / 6,46 Liter / 1,859 pro Liter // Euro 7.- / 3,83 Liter / 1,829 pro Liter
Übernachtungskosten: Euro 75.- (mit Frühstück und Garage)

Mit der Voge 300 über Splügenpass und Passo del Vivione nach Edolo

Für diese Etappe hatte ich mich ganz bewusst für die Voge 300 entschieden – auch wenn ich anfangs durchaus skeptisch war, ob eine solche Distanz mit dem kleinen Motorrad wirklich angenehm machbar sein würde. Rückblickend kann ich sagen: Die Entscheidung war genau richtig. Vor allem mit Blick auf den Passo del Vivione hätte ich die KTM an diesem Tag ganz sicher nicht bevorzugt. Die Strecke ist teilweise extrem schmal, voller engster Serpentinen und verlangt nach einem handlichen Motorrad – genau hier spielte die Voge ihre Stärken aus.

Los ging es in Dornbirn zunächst auf die schweizer Autobahn Richtung Chur. Und das war ehrlich gesagt ein ziemlich harter Auftakt. Die Voge ist einfach nicht für längere Autobahnetappen gemacht. Ich bin konstant etwa 100 km/h gefahren, doch die Vibrationen waren auf Dauer wirklich heftig. Schon bei der Ankunft in Chur schmerzte mein Nacken deutlich – ein Zeichen dafür, dass dieser Abschnitt eher notwendiges Übel als echter Fahrgenuss war.

Ab Chur änderte sich das Bild dann aber schlagartig. Von da an begann der Teil des Tages, der diese Etappe zu einem echten Highlight machte. Es ging Richtung San Bernardino, weiter über den Splügenpass – und das bei allerbestem Wetter. Schon dort war klar: Heute würde es ein Tag der Kurven werden. Allein am Splügenpass wartet ein wahres Serpentinenfestival. Je nachdem, wie man zählt und von wo aus man rechnet, kommen auf Nord- und Südrampe zusammen irgendwo zwischen 69 und 74 Kehren zusammen. Ein Traum für alle, die enge Kurven lieben.

Nach dem Splügenpass führte die Route weiter über Chiavenna und Valletta hinein in eine wahre Parade großartiger Motorradstrecken: SP62, SP64 über den Passo Culmine San Pietro, dann weiter auf die SP25 und später die SP27 Richtung Parre und Schilpario. Eigentlich kann man diesen Fahrtag mit einem Satz zusammenfassen: Es gab den ganzen Tag nur Kurven.
Die SP64 war bereits eine fantastische Motorradstrecke, aber die SP25 war dann schlicht der Hammer – eine Straße, bei der man kaum Worte findet. Kurve an Kurve, kaum Verkehr, dazu diese Landschaft – genau so stellt man sich einen perfekten Motorradtag vor.

In Schilpario änderten sich die Bedingungen dann schlagartig. Dort setzte kräftiger Starkregen ein. Also Regenkombi anziehen und weiter. Was danach kam, war allerdings weit mehr als nur ein Regenschauer. Auf dem Passo del Vivione geriet ich in ein richtiges Unwetter: Starkregen (zuvor musste es gehagelt haben), Schlamm, Wasserläufe und Sturzbäche auf der Straße – alles war dabei. Die Strecke wurde dadurch natürlich nicht einfacher, denn der Vivione ist ohnehin kein Pass für Anfänger. Dazu kam kurzzeitig sogar die Überlegung, ob im schlimmsten Fall vielleicht noch Murenabgänge dazukommen könnten. Zum Glück blieb es dabei – und am Ende war es trotz aller Widrigkeiten einfach ein riesiger Spaß. Gerade in solchen Momenten merkt man, wie viel ein leichtes, handliches Motorrad wert ist. Mit der Voge ließ sich die Situation erstaunlich gut meistern, und genau für solche Bedingungen war sie an diesem Tag die perfekte Wahl.

Kaum war der Pass geschafft, war auch das schlechte Wetter wieder vorbei. Ich fuhr weiter nach Edolo, wo ich im “Euro Hotel” übernachtete – für 75 Euro inklusive Frühstück und Garage, was nach diesem Tag eine absolut passende und angenehme Unterkunft war. Edolo liegt auf rund 700 Metern Seehöhe, und dort herrschten am Abend sehr angenehme 24 Grad – perfekt, um nach dieser intensiven Etappe wieder etwas herunterzukommen.

Unterm Strich war dieser Tag einfach nur spitze: fahrerisch fordernd, landschaftlich großartig, voller Kurven und mit genau dem Quäntchen Abenteuer, das man noch lange in Erinnerung behält. Gleichzeitig ist aber auch klar: Das war definitiv nichts für Fahranfänger. Die Strecke war anspruchsvoll, die Wetterbedingungen am Vivione extrem, und man musste jederzeit konzentriert bleiben. Für jemanden wie Eckhard wäre das vermutlich ein Tag gewesen, bei dem sprichwörtlich das „Zäpfchen abgeht“, und für Doris wäre diese Tour ganz sicher nichts gewesen. Für mich war es dagegen genau die Art von Etappe, die eine Reise unvergesslich macht.

Splügenpass
Splügenpass
hat mir gefallen in Edolo
in Edolo
Edolo
Edolo

Daten des 2. Tages (Samstag 20.06.2026)
Edolo – Dornbirn
Abfahrt: 7:40 Uhr
Ankunft: 14:00 Uhr
Strecke: 263 Kilometer
Kilometerstand Anfang Tour: 2605
Kilometerstand Ende Tour: 2868
Durchschnittsverbrauch: 2,33 Liter / 100 Kilometer
Tanken: Euro 8,97.- / 6,01 Liter / 1,492 pro Liter // Euro 7.- / 4,3 Liter / 1,611 pro Liter
Maut Engadiner Kraftwerke: 13 Sfr.
Übernachtungskosten: kostenlos

Tourenbericht – Über Mortirolo, Livigno und den Flüelapass zurück nach Dornbirn

Nach der Übernachtung in Edolo startete ich am nächsten Morgen zur nächsten Traumetappe – und auch dieser Tag sollte wieder alles bieten, was eine großartige Motorradtour ausmacht: anspruchsvolle Passstraßen, eindrucksvolle Hochgebirgslandschaften, wenig Geradeaus und am Ende das zufriedene Gefühl, einen nahezu perfekten Fahrtag erlebt zu haben.

Von Edolo ging es zunächst auf die SS42 in Richtung Monno, ehe ich auf die SP81 abbog und damit Kurs auf einen der legendärsten Alpenpässe nahm: den Passo del Mortirolo. Schon der Name hat unter Motorradfahrern und Radsportlern einen besonderen Klang – und das völlig zu Recht. Über die Strada del Mortirolo führte die Strecke hinauf auf 1852 Meter, und spätestens dort wird klar, warum dieser Pass einen so besonderen Ruf genießt.

Der Passo del Mortirolo zählt ohne Zweifel zu den härtesten Anstiegen der Alpen – zumindest dann, wenn man nur jene Passstraßen betrachtet, die tatsächlich eine klassische Überfahrt ermöglichen. Bekannt wurde er vor allem durch den Giro d’Italia, der seine Teilnehmer immer wieder über die berüchtigte Westrampe von Mazzo di Valtellina schickt. Für Radprofis ist der Mortirolo ein gefürchteter Name, und auch als Motorradfahrer spürt man sofort, dass man hier nicht auf einer gewöhnlichen Alpenstraße unterwegs ist.

Ein besonderes Erlebnis war dabei die absolute Ruhe am Pass selbst: Am gesamten Mortirolo war kein einziger Pkw und kein einziges Motorrad unterwegs. Nur drei Rennradfahrer kämpften sich den Berg hinauf – ansonsten herrschte völlige Stille. Genau diese Einsamkeit machte den Moment oben am Pass noch eindrucksvoller und verstärkte den ursprünglichen, fast schon rauen Charakter dieser Strecke. Kein Verkehr, kein Lärm – nur Berg, Straße und Landschaft.

Nach diesem ersten Höhepunkt ging es weiter über die SS301 in Richtung Livigno. Schon auf der Anfahrt zeigt sich, dass diese Gegend ein echtes Freizeitparadies ist. In Livigno selbst standen Wohnmobile ohne Ende, und man merkt sofort, dass dieser Ort im Sommer ein Magnet für Outdoor-Sportler ist. Ob Mountainbike, Wandern oder einfach nur die grandiose Bergkulisse – Livigno hat seinen ganz eigenen Reiz und ist landschaftlich einfach beeindruckend gelegen.

Die Strecke führte anschließend weiter am Lago di Livigno entlang. Allein dieser Abschnitt ist schon ein Erlebnis: das Wasser, die Berge, die weiten Ausblicke – eine Kulisse, bei der man am liebsten ständig anhalten und fotografieren würde. Danach ging es weiter Richtung Schweiz, wo man auf der Seite des Engadiner Kraftwerks eine Maut von 13 Schweizer Franken bezahlt. Ganz ehrlich: Es lohnt sich. Die Strecke ist landschaftlich wunderschön und fahrerisch ein Genuss.

Weiter führte mich die Route über Zernez und Susch zum nächsten großen Höhepunkt des Tages: dem Flüelapass. Der Pass ist rund 27 Kilometer lang und erreicht eine Höhe von 2363 Metern. Schon die Auffahrt ist ein Genuss – weite Kurven, herrliche Panoramen und dieses typische Hochgebirgsgefühl.

Am Flüelapass kam es dann immer wieder zu einer sehr unterhaltsamen Begleiterscheinung: Ich fuhr mehrfach in kleinen Gruppen mit verschiedenen BMW-Fahrern mit – oder besser gesagt: ich „fuhr mit“ (mit einem klaren Augenzwinkern). In den kurvigen Passagen passte das Tempo einfach perfekt zusammen, und so ergaben sich immer wieder kurze gemeinsame Etappen, bis sich die Wege wieder trennten.

Gleichzeitig zeigte sich hier aber auch eine der Grenzen der kleinen Voge 300: In dieser Höhe war der Leistungsverlust deutlich spürbar. Die dünnere Luft nimmt einem Motorrad mit kleinerem Hubraum einfach etwas von seiner Spritzigkeit.

Was ich allerdings erst zu Hause richtig bemerkte: Bei den intensiveren, schnellen Abschnitten hatte sich der Hitzeschild der Voge teilweise stark verformt bzw. begonnen zu schmelzen. Kein Wunder bei der Kombination aus langen Vollgasetappen und Temperaturbelastung – aber letztlich nur ein technisches Detail, das die Tour im Nachhinein eher mit einem Schmunzeln abrundet. Denn während der Fahrt selbst stand eindeutig der Spaß im Vordergrund.

Nach dem Flüelapass ging es weiter über Davos und Landquart, anschließend über die Landstraßen in Richtung Vaduz, Feldkirch und schließlich zurück nach Dornbirn. Dort zeigte das Thermometer bei der Ankunft 30 Grad – ein fast surrealer Kontrast zu den kühlen Höhenlagen des Tages.

Unterm Strich war auch dieser Tag einfach nur ein Traum: der einsame Mortirolo, die beeindruckende Strecke nach Livigno, die Passage entlang des Lago di Livigno, die schweizer Bergwelt und schließlich der Flüelapass mit seinen langen, flüssigen Kurven – inklusive der kleinen „BMW-Gruppenfahrten“ und dem technischen Nachspiel mit dem Hitzeschild. Eine Kombination, die kaum besser hätte sein können. Es war einer dieser Tage, an denen alles passt: Straßen, Landschaft, Wetter und das Gefühl, genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort unterwegs zu sein.

direkt an der Grenze Italien zur Schweiz
Schnee am Flüelapass

Der Hitzeschutz vom Auspuff hat wohl meine Fahrweise nicht ausgehalten
Hier muss ich noch etwas Optimieren

Detailauswertung der gesamten Tour:

Motorrad VOGE 300:
668 Kilometer
Tanken: Euro 34,97- / 15,59 Liter
Durchschnittsverbrauch: 2,33 Liter

2 Tage auf dem Weg

Maut gesamt: Euro 13.- (Sfr zu Euro ist fast 1:1)
Übernachtungskosten gesamt:

Euro 75.- für 1 Übernachtungen (1 Personen)
Gesamtkosten: Euro 158.- (da ist alles dabei – Bebzin, Übernachtung, Essen, Maut…)

Resümee

Eigentlich gibt es zu dieser Tour nicht viel mehr zu sagen, als dass sie in jeder Hinsicht genau das geliefert hat, was ich mir von einer solchen Reise erwarte: intensive Passstraßen, wechselhaftes Wetter, einsame Momente am Mortirolo, fahrerische Highlights rund um Livigno und ein Flüelapass, der noch einmal alles abverlangt hat.

Am Ende bleibt vor allem ein klarer Gedanke: Das war nicht die letzte Fahrt auf diesen Strecken.

Jetzt heißt es erst einmal, auf Eckhard zu warten. Diese Tour schreit geradezu danach, noch einmal gemeinsam gefahren zu werden – diesmal mit geteilten Eindrücken, gemeinsamen Pausen und sicher auch einer etwas anderen Dynamik auf den Straßen.

Technisch gibt es ebenfalls eine klare Erkenntnis: Der Hitzeschutz der Voge muss verbessert werden. Die Tour hat gezeigt, dass lange Vollgaspassagen und hohe thermische Belastung Spuren hinterlassen können. Das ist kein Kritikpunkt am Gesamtkonzept der Reise, sondern einfach ein Punkt, den ich vor der nächsten Fahrt sauber lösen werde.

Denn eines steht fest: Diese Strecke wird noch einmal gefahren.
Und zwar nicht allein.

Mit Eckhard.
Und mit dem Wissen aus dieser Tour im Gepäck – aber ohne den Respekt vor genau diesen Pässen zu verlieren.

Am Ende bleibt ein einfaches Fazit:
Es war eine Tour, die man nicht plant, um sie schnell abzuhaken – sondern eine, die nach Wiederholung verlangt.

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

2 comments